Belastungen gemeinsam bewältigen

Entlastung durch mehr Lehrer-Zusammenarbeit an der IGS Wallrabenstein

Der ganz normale Schulstress

Die Eingangsbefragung an der Schule, aber auch etliche Gespräche zeigten: Unser Lehrerkollegium empfand die Arbeitsbelastung insgesamt als zu hoch. Vor allem die Mittwochnachmittage mit verschiedenen Konferenzen waren extrem stressig. In den Pausen war oft keine wirkliche Erholung möglich, weil es in der Pause Schülerkonferenzen gab. Viele Lehrerinnen und Lehrer fühlten sich zudem einem permanenten Innovationsdruck hinsichtlich der Unterrichtsqualität ausgesetzt und hatten das Gefühl, ständig etwas erneuern zu müssen.
Ziel unserer Projektgruppe war es, konkrete und schnell umsetzbare Möglichkeiten zur Entlastung für uns und unsere Kolleginnen und Kollegen zu finden.

Große und kleine Entscheidungen verteilen

Zu Beginn war unsere Gruppe mit acht Lehrkräften recht groß. Daher bot es sich an, einzelne Arbeitspakete auf Kleingruppen aufzuteilen. Je zwei oder drei Kollegen waren dann für ein Thema zuständig und erarbeiteten für die nächste Sitzung der Gesamtgruppe eine Tischvorlage. In der Sitzung wurden diese Tischvorlagen besprochen und gemeinsam weiterentwickelt, um dem Kollegium in Gesamtkonferenzen die neuen Vorschläge gemeinsam zu präsentieren. In regelmäßigen Erprobungsphasen wurden unsere Vorschläge auf ihre Alltagstauglichkeit getestet. Nach den Testphasen, die meist einige Monate bis ein halbes Jahr lang dauerten, stimmte das Lehrerkollegium darüber ab, ob sich die Neuerung bewährt hatte und beibehalten werden sollte.

Jahrgangsteams und feste Zeiten schaffen Entlastung

Um eine Entlastung der Lehrer zu erreichen, beschäftigten wir uns mit folgenden Aspekten:

  • Entlastung durch Neustrukturierung des Konferenznachmittags
  • Entlastung der Klassenlehrer durch Co-Klassenlehrer und Jahrgangsteams
  • Entlastung durch weniger Innovationsdruck

Für den Mittwochnachmittag entwarfen wir eine neue Struktur mit festen Zeiten für die verschiedenen Konferenzen sowie für die Pausen. Der Ablauf wurde insgesamt entzerrt. Jetzt bleiben die Kollegen mittwochs zwar häufig länger in der Schule, können jedoch viel entspannter arbeiten. Als Planungsinstrument hängt seit der Einführung ein Whiteboard im Lehrerzimmer. Hier werden alle Konferenzen eingetragen und Terminüberschneidungen werden sofort erkannt.

Zur Entlastung der Klassenlehrer wurden Co-Klassenlehrer soweit wie möglich eingesetzt und über ein Jahrgangsteam die Arbeit besser verteilt. Das System der Co-Klassenlehrer sieht vor, dass alle Lehrkräfte, die selbst keine Klasse haben, sich einer Klasse als Co-Klassenlehrer zuordnen. In Absprache mit dem/der Klassenlehrer/-in sind diese dann mitverantwortlich für alle möglichen Aufgaben, die bislang vom Klassenlehrer alleine erledigt werden mussten. In den Jahrgangsteams können Zusatzaufgaben, z.B. die Organisation eines Wandertages, unter den Lehrkräften verteilt werden. Dieses System spart Zeit und Aufwand und fördert zudem die Zusammenarbeit.

Das Thema „Innovationsdruck“ wurde intensiv in der Arbeitsgruppe diskutiert. Auch durch die Schulinspektion wurde das Kerngeschäft „Unterricht“ wieder deutlich hervorgehoben. Der Schulleiter betonte bei dieser Diskussion, dass ganz klar das Unterrichten das Kerngeschäft eines jeden Lehrers ist und dass daher ein guter Unterricht eines der zentralen Ziele der Schule ist. Durch diese klare Stellungnahme fühlten sich einige Lehrer entlastet, die zuvor das ständige Gefühl gehabt hatten, sie müssten neben dem Einsatz für einen guten Unterricht immer noch mehr „verändern“, z.B. auf Ebene der Schulorganisation.

Resümee und Ausblick

Insgesamt sind wir mit den Ergebnissen unserer Arbeit zufrieden. Auch als sich im Verlauf der Projektgruppenarbeit unsere Gruppe verkleinerte, da mehrere Mitglieder pensioniert wurden, arbeiteten wir motiviert und erfolgreich weiter. Das strukturierte Vorgehen bei der Erarbeitung und Umsetzung unserer Änderungsvorschläge hat sich bewährt. Die genannten Veränderungen sind nun in den Schulalltag integriert. Das System der Co-Klassenlehrer ist zudem im Schulprogramm verankert. Die Schulleitung und die Moderatorin der Projektgruppe werden sich um eine dauerhafte Fortführung der Maßnahmen kümmern.
Mit dem Ende des Projektes „Gemeinsam gesunde Schule entwickeln“ hat unsere Projektgruppe ihre Arbeit beendet. Einen Vorschlag unserer Gruppe werden wir aber  demnächst noch dem Kollegium vorstellen: ein Konzeptpapier zur zielorientierten Elternarbeit. Das Konzeptpapier enthält eine Reihe von Leitfäden und Hilfestellungen für die Elternarbeit und soll auf diese Weise ebenfalls zur Entlastung der Lehrer beitragen.

Projektgruppe "Umgang mit Belastungen", IGS Wallrabenstein

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